Förderung der Kinder- und Geburtsstation des Krankenhauses in Am Timan, Tschad

Einem Projekt von Ärzte ohne Grenzen

Der Tschad ist soweit ab vom Fokus des Medieninteresses, dass nicht wenige Menschen noch nicht einmal von der Existenz dieses Landes wissen. Aber es ist eines der ärmsten Länder der Welt und trotz Ölfunden besteht leider wenig Hoffnung, dass sich das in nächster Zeit ändert. In diesem Jahr ist die Situation besonders schwierig, weil nach einer langen Dürreperiode ungewöhnlich heftige Regenfälle die frischen Stecklinge von den Feldern gespült haben. Am Timan ist eine Provinzhauptstadt im Südosten des Landes. Hier unterstützt die Tereska-Stiftung ein Projekt von Ärzte ohne Grenzen.

Seit Februar 2010 unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Pädiatrie sowie die Gynäkologie und Geburtshilfe des Distrikt Krankenhauses in Am Timan. „Als wir hier ankamen waren die Betten fast alle leer – unsere Erkundungen hatten jedoch ergeben, dass es in dieser Gegend sehr wohl einen großen Bedarf in diesen Bereichen gab. Und tatsächlich, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass wir kostenlose medizinische Hilfe für Kinder und Schwangere anbieten, sind unsere Patientenzahlen rapide angestiegen“, erzählt Jean-Luc Kagayo, der als Arzt für Ärzte ohne Grenzen im Tschad arbeitet.

Heute sind die beiden Stationen hoffnungslos überfüllt. Ein Behelfskonstrukt aus Holzrahmen und Plastikplanen wurde aufgestellt, um die vielen Patienten aufnehmen zu können. 2011 soll dieses jedoch gegen ein richtiges Gebäude ausgetauscht werden, das Ärzte ohne Grenzen finanziert. „In dem Plastikzelt wird es einfach viel zu heiß, vor allem, wenn die Temperaturen im Frühjahr auf über 40 Grad steigen“, erzählt Guillaume Mazambi, der zweite Arzt im Team.

„Es ist auf jeden Fall ein großer Erfolg, dass mittlerweile so viele Patienten zu uns kommen, denn das ist nicht selbstverständlich. Die Tatsache, dass wir mittlerweile rund 100 Entbindungen pro Monat verzeichnen ist hervorragend“, so Mazambi. Zu Beginn der Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen, lag die Zahl bei maximal 50. Auch die hohe Sterblichkeitsrate der im Krankenhaus aufgenommen Kinder ist seitdem von 15 Prozent auf drei Prozent gesunken. „Wir arbeiten weiter daran, die Qualität der Leistungen zu verbessern, doch leider kommen viele der Patienten häufig sehr spät.“ Der schlechte Zugang zu Gesundheitseinrichtungen sowie mangelnde Infrastruktur im Tschad bedeuten für viele Tschader, dass sie teilweise tagelange Märsche mit ihren Kindern hinter sich bringen müssen um zu einer Gesundheitseinrichtung wie der in Am Timan zu kommen. Viele nehmen das nur im äußersten Notfall auf sich.

Neben der stationären Behandlung ist auch das Programm für mangelernährte Kinder im letzten Jahr stark gewachsen. „Der Tschad hat 2010 eine regelrechte Hungerkrise erlebt – die Kinder trifft so was natürlich meist besonders schwer. Rund 2,500 kleine Patienten zwischen sechs Monaten und fünf Jahren haben wir zwischen Februar und November 2010 wegen Mangelernährung behandelt“, sagt Kagayo „entweder hier in der Klinik, oder direkt vor Ort.“ Ein mobiles Team fährt die teilweise weit verstreuten Gemeinden in der Gegend ab und untersucht die Kinder dort auf Mangelernährung. Komplizierte Fälle werden direkt ins Krankenhaus überwiesen, die übrigen Kinder behandelt das Team ambulant. Dank therapeutischer Fertignahrung ist das heute gut möglich. „Wir haben schon große Fortschritte gemacht“, so Mazambi, „aber in AmTiman gibt es auch weiterhin viel zu tun.“

http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/

Spendenbeispiele

Mangelernährung:

Mit 15 Euro können wir ein mangelernährtes Kind unter fünf Jahren mit therapeutischer Fertignahrung behandeln. Das reicht für die durchschnittliche Behandlung für diese Altersgruppe von zwei Päckchen am Tag für 30 Tage.

Malaria:

Mit 45 Euro können wir 100 an Malaria erkrankte Kinder mit einem wirksamen Kombinationspräparat auf der Basis des Wirkstoffs Artemisinin behandeln. Malaria ist eine der häufigsten Tropenkrankheiten und tritt verstärkt in der Regenzeit auf. Eine Behandlung dauert drei Tage. Kinder nehmen eine Tablette am Tag.

Masernimpfung:

Im Falle eines Masernausbruchs impfen unsere Mitarbeiter alle Kinder in der betroffenen Region, um eine Epidemie zu verhindern. Der Tschad hat eine der niedrigsten Impfraten weltweit, Ausbrüche von Masern und anderen ansteckenden Krankheiten sind daher keine Seltenheit. Mit 120 Euro können wir 100 Kinder im Rahmen einer solchen Impfkampagne gegen Masern impfen – inklusive Impfzubehör und Kühlmaterial für die Kühlkette. Denn der Masernimpfstoff muss ununterbrochen gekühlt werden, damit er wirksam bleibt. Eine Masernerkrankung verläuft bei geschwächten Kindern nicht selten tödlich.

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Bericht 2011

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